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Algarve, Albufeira, Mittwoch, 31.01.2018

 

Wie nicht anders zu erwarten war, hat sie natürlich auch ihre Schattenseiten. Mit der Zeit wird man eben klüger, der Blick wird zwangsläufig weiter. Und das ist auch gut so. Zwar tut das dem grundsätzlich positiven Eindruck keinen nennenswerten Abbruch, dennoch rinnt der eine oder andere Wermutstropfen leise klagend das Vorstag hinunter.

Die Rede ist - anders als manch einer irrtümlich angenommen haben mag - nicht von meiner Angetrauten, sondern von der Algarve, die wir in den letzten Wochen ausgiebig erkundet haben. Und zwar nicht länger vom Wasser aus, nein, um die Perspektive zu wechseln, haben wir uns ein Landfahrzeug geleistet und sind die Küste von West nach Ost abgefahren. Echt abgefahren diese Küste, mit ihren traumhaften Ankerbuchten, kilometerlangen Stränden, atemberaubend geformten Steilküsten und pittoresken Städtchen. Aber irgendwann dann fällt der zweite Blick auf gigantische Bauprojekte, Hotels und Ferienwohnungen, sowohl im Hinterland als auch in bester Küstenlage, auf den dritten Blick nicht einmal schlecht an die Landschaft und die vorhandene Bebauung angepasst. Doch beim vierten Blick läuft es einem dann eiskalt den Rücken runter: Diese Projekte werden wohl nie vollendet werden, offensichtlich schon seit Jahren stehen die Arbeiten still. Zugenagelte Fenster, verrostete Gerüste, vergammeltes Baugerät und brachliegendes, wild überwuchertes Land legen ein äußerst trauriges Zeugnis von verfehlter Planung und, wie man uns berichtet hat, dubiosen Finanzierungskonstrukten ab. Und das alles hier an wohl einem der schönsten Flecken Europas!

 

Aber genug von den Schattenseiten, wenden wir uns erfreulicheren Dingen zu.

Wir hatten zwischenzeitlich wieder mal ziemliche Krisenstimmung. Denn der Plan mit Mittelmeer und Kanälen gefällt uns nicht mehr. Das hat viele Gründe, hier ein paar Stichworte: zu teuer (die Marinas in Spanien, die Dieselkosten für die Kanalfahrt, die Liegeplatzgebühren, die Vignetten und schließlich die Mastlegung und der Transport des Mastes nach Deutschland); vielleicht doch nicht sooo schön (wir sind ja inzwischen ziemlich verwöhnt); noch etliche zu bewältigende Seemeilen (ein Teil der Crew zeigt diesbezüglich eindeutig zunehmende Meuterei-Tendenz). Und außerdem: wohin dann in Deutschland, was wollen wir dort, außer horrende Liegegebühren und Krankenkassenbeiträge zu zahlen und und und...

 

Jedenfalls reden wir und reden wir und reden wir - und was kommt dabei raus? Folgender Plan, über dessen voraussichtliche Mindesthaltbarkeit leider keine seriösen Angaben vorliegen:

Wir bleiben noch bis April/Mai hier in der Algarve, dann geht Dulcinea zurück nach Terceira. Wahrscheinlich segelt der Leichtmatrose, diese arme Sau, den Kahn alleine dorthin zurück, weil die übrigen Besatzungsmitglieder - siehe oben. Dann verbringen wir den Sommer in vertrauter Umgebung auf dem Schiffchen und mieten uns zum Winter wieder ein Apartment.

Vorteile: Die Azoren sind wunderschön, atmosphärisch einzigartig, die Menschen sind auffallend entspannt und liebenswürdig, der Liegeplatz ist äußerst günstig, die Lebenshaltungskosten sind moderat und – nicht zuletzt – die Auslandskrankenversicherungen sind im Vergleich zu unseren beiden Privatversicherungen in der Heimat beinahe geschenkt.

Von Terceira aus werden wir dann die Grundsteine für unsere Rückkehr nach Deutschland 2019 legen. Wir werden so viele Eisen im Feuer halten wie möglich - neben der denkbaren Rückkehr in den Schuldienst Bremen und der lukrativen Weiterführung des Weltkonzerns OASE.

Ansonsten sieht es für die nächste Zeit so aus: Wir verharren mehr oder weniger entspannt hier in der Marina Albufeira, schnüren regelmäßig die Wanderstiefel, halten unermüdlich das Schiffchen in Schuss, schlürfen genüsslich unseren Galao (Milchkaffee) in der Sonne, kurzum, wir genießen das irdische Dasein. Am 7.2. geht Dulcinea für ein paar Reparaturen und die abermals notwendige Erneuerung des Antifouling-Anstrichs aus dem Wasser. Ab dem 20.2. gönnen wir uns dann mal wieder Landurlaub. Nini aus Norwegen kommt nämlich zu Besuch und übernimmt auch, wie im letzten Jahr, die Finca-Kosten. Wir haben just ein nettes Häuschen westlich von Alvor gebucht.

 

Das war‘s für heute. Schlaft schön!